WAS KOMMT NACH DER ENTEIGNUNG
-EIN ABC-

Das ABC ist allen Mietshäusern und allen Vorkaufshäusern mit ihren Mieter:innengemeinschaften gewidmet, die den Kampf um die Enteignung ihres Wohnraums (noch) nicht gewonnen haben.
Die Häuser denen, die drin wohnen!
Ein Service des Seume14 e.V.

Arrangieren …
… eine soziale Technik, die wir als eine selbstverwaltete Mieter:innengemeinschaft bald zu lernen bereit waren. Wenn über 40 Personen und ein paar Kinder in einem sanierungsbedürftigen Altbau in Berlin-Friedrichshain sich seit 2016 gegen einen Investor, der das Haus kaufen will, zusammenschließen und beides unter einen Hut kriegen wollen – unabhängig nebeneinander wohnen bleiben zu können in einem Mietshaus, ohne sich dauernd absprechen zu müssen, und gleichzeitig alle Belange des Hauses basisdemokratisch gemeinsam lösen zu können –, sind Kompromisse und ein pragmatischer Umgang miteinander unabdingbar, um sich nicht im sozialen Umgang komplett zu verschleißen. Der Arbeitsalltag hält schon genug nervenaufreibende Anforderungen und zermürbende Ansprüche für alle bereit – das sollte sich nach Möglichkeit nicht im Wohnalltag noch wiederholen. Angst vor Verdrängung aus dem Innenstadtbezirk hatten dennoch alle, sodass wir das Wagnis der Übernahme des Hauses durch uns als Mieter:innendennoch eingingen.

Darlehen ...
... wer leiht so daher gelaufenen Mietern und Mieterinnen bloß die nötige Kohle, dass die 2.6 Millionen, die der alte Hauseigentümer sehen will, auch aufgebracht werden können? Ohne Hunderte von solidarischen Menschen, die der Seume14 GmbH ein kleines Darlehen von ein paar tausend Euro gegeben haben, wäre das Projekt gescheitert. Wir haben zusätzlich Stiftungsgelder und einen Bankkredit benötigt, um das Mietshaus kaufen zu können. Die Basis eines gelingenden Enteignungsprojekts sind aber solidarische Menschen und eine Form von Hochrisikokapital, das wir solidarische Direktkredite, die Ökonomie Nachrangdarlehen nennt.

Gemeinschaftsräume ...
... braucht es, wenn ihr auch ein Haus als Mieter und Mieterinnen enteignen wollt. Im Gegensatz zu klassischen Projekthäusern sind ja bei uns keine Türen aus den Angeln gehoben worden und jede sozialemotionale Kleinzelle im Haus, sei es Familie, Ehe, WG oder einzeln wohnende Menschen, ist erhalten geblieben. Umso mehr braucht es Flächen, die wir gemeinsam nutzen können: Um Freunde, bedürftige Menschen oder die Eltern mal über Nacht im Haus einquartieren zu können, um gemeinsam zu plenieren, zu spielen oder Mittag zu kochen. Eine Terrasse im Hof, ein Sportraum, eine Fahrradwerkstatt sind bereits entstanden. Die Sauna ist noch Zukunftsmusik.

Juristische Auseinandersetzungen ...
... die schizophren anmutende Situation, dass wir als Bewohner und Bewohnerinnen der Seume14 sinnbildlich Mieterin und Vermieterin in einer Person sind, bringt auch Rechtsstreit hervor. Juristische Auseinandersetzungen um Nebenkostenabrechnungen oder überteuerte Untervermietungen prägen mitunter das Verhältnis vor allem zu den Bewohner und Bewohnerinnen, die nicht an dem Prozeß der Selbstverwaltung teilhaben wollen. Das gibt es? Die Erklärung folgt unter N wie Normalzustand.

Mietshäuser Syndikat ...
.. ist ein Verbund aus derzeit über 150 selbst verwalteter Häuser deutschlandweit. Die juristisch unabhängig voneinander bestehenden Mietshäuser sind in der Ausgestaltung ihrer Bewohnerschaft und Prämissen des Zusammenlebens recht unterschiedlich, es eint sie aber die Idee, dass ihre Häuser dauerhaft der Spekulation entzogen sein sollen und mit der Miete kein Profit gemacht werden soll. Der Solidarverbund unterstützt sich gegenseitig im Erfahrungsaustausch und mit Direktkrediten auch finanziell. Dabei zeigen sich ältere, zum Teil bereits abgezahlte Mietshäuser solidarisch mit neuen Bauprojekten oder neu entstandenen Häusergemeinschaften im Verbund.

Politisch werden ...
... darüber streiten wir öfter gemeinsam, wenn wir Samstag bei Pablo vor der »Blauen Bohne« sitzen. »Wir sind ein unpolitisches Haus«, so wird von der einen Seite konstatiert, wir wohnen nur zusammen, aber klar, wir gehen auf Demonstrationen gemeinsam, wir erinnern mit Transpis den Ermorderten von Hanau, wir fädeln mit allen bedrohten Hausgemeinschaften Aktionen ein und der ganze Kiez wird von uns mietenpolitisch, nein, besser mietenpraktisch, unterstützt und aufgeklärt und aufgehetzt. Aber nein, wir nennen es nicht politisch! Wir sind also kein politisches Haus, nennen wir es lieber aktives Haus: Das klingt neutral und darauf können wir uns dann beim Capucchino auch alle zufrieden einigen und malen die nächsten Transpis gemeinsam. Vielleicht auch ein Aspekt des Normalzustands der Seume14.

Solidarität ...
... ist nicht mit Schwäche zu verwechseln! Wir versuchen, solidarisch Mieten zu teilen, wer seine Miete nicht schafft, gibt einen Teil ab, andere Bewohner:innen, die es können, übernehmen einen Teil, so dass die nötige Summe für das Abbezahlen des Kredits erreicht wird. Solidarität üben wir in allen Beratungen anderer betroffener Hausgemeinschaften in Berlin oder anderen Städten, solidarisch sind wir mit Obdachlosen, die manchmal auf den
Treppen oder in einzelnen Wohnungen übernachten, solidarisch entstand die Idee des Seumestraßenfestes, was wir jährlich mit anderen Hausprojekten und Hausgemeinschaften, der DIESE Genossenschaftshäuser und dem Boxi & Co veranstalten.

Verantwortung ...
... »Mehr Freiheit bedeutet auch mehr Verantwortung« sagte ein Bewohner und behielt mit seinem Urteil für unsern Seume-Haufen bis heute Recht. Wir lieben die Freiheit und drücken uns solange vor der Verantwortung bis wir uns ihr stellen müssen. Das ist jetzt eine Plattitüde, weil viele von uns natürlich lieber weniger Verantwortung auf sich nehmen würden, dieses »V« gar nicht ausgesucht hätten und aushalten müssen, dass Anarchie- und Prokrastinationslust der Hausverwaltung widerstreiten.

Buchhalter:innenstolz ...
... erfüllt einige von uns, denn der Schritt in die Selbstverwaltung unseres Mietshauses bedeutete zunächst, jede Menge bürokratisches, vereinstechnisches und verwalterisches Wissen zu erlangen. Wir haben uns in eine Unzahl an Arbeitsgemeinschaften aufgeteilt, um die anstehenden Fortbildungen in Sachen Hausverwaltung auf möglichst viele Menschen im Haus zu verteilen, so dass das Wissen nicht bei Einzelnen lagert und dort fossiliert. Neben der Buchhaltungs-AG, die sich recht anspruchsvoll doppelte Buchhaltung angeeignet hat, gibt es eine Nebenkosten-AG, eine Mietenkontroll-AG, eine Vereins-AG, eine Bau-und Reparatur-AG, Garten-AG, die Geschäftsführungs-AG. Wenn wir gut sind, rotieren wir innerhalb der AGs, auch wenn das nach vier Jahren sich noch einspielen muss, soll doch jede Person im Haus auch mal mit Buchhalterstolz erfüllt sein, wenn die Zahl am Ende des Kontoauszugs auf den Cent genau mit der Buchung übereinstimmt.

Edith-Maryon-Stiftung ...
... ist eine Schweizer Stiftung, die sich gegründet hat mit dem Ansinnen, sich gegen jegliche Spekulation mit Boden zu wehren. Unsere Seume14 haben wir nur mit ihrer Hilfe in der Kürze der Zeit erwerben können. Um keinen spekulativ weiterverwertbaren Besitz zu tradieren, haben wir die Beute aber aufgeteilt: Der Boden ist in Besitz der Stiftung, das Haus in Besitz der Haus-GmbH, die von allen Mieter und Mieterinnen über den Seume14-Hausverein und dem Mietshäuser Syndikat als zweiten Gesellschafter kontrolliert wird.

Handarbeit ...
... bleibt dabei das Aushandeln und die Akzeptanz von individuellen Interessen und Neigungen und dem Gemeinschaftsinteresse. Das soll keine Plattitüde sein.

Kaffee trinken ...
.. bei Pablo in der Kaffeerösterei »Blaue Bohne« ist zwar kein Pflichttermin am Samstag und Sonntag Morgen. Trotzdem gibt es kaum einen Moment, wo sich die Seumestraße mehr wie ein Dorf anfühlt, wo irgendwie alle Nachbarinnen und Nachbarn mal zugegen sind. Die Rösterei ist das einzige Gewerbe in der Seume14 und Teil des Haus-Kollektivs.

Querschießereien …
.. kommen am liebsten von den eigenen Bewohner und Bewohnerinnen. Wir fürchten, es ist noch nie in einer solch Regelmäßigkeit zu Einsprüchen gegen unsere Nebenkostenabrechnung gekommen, das Gesundheitsamt wegen angeblichen Rattenbefall gerufen oder das Finanzamt oder die BAFIN wegen unterstelltem Sozial- und Anlegerbetrugs informiert worden, wie seitdem wir das Haus in Selbstverwaltung als Mieter und Mieterinnen in Eigenverantwortung übernommen haben. Wenn man es optimistisch reformulieren möchte, helfen uns diese Anfragen und Einsprüche, in der Verwaltung rechtssicher zu werden. Aber es ist mit der Autorität eines selbstverwalteteten Mietshauses manchmal auch ein andauernder Lernprozess.

Normalzustand ...
... da sich unsere Hausgemeinschaft nicht ganz freiwillig gefunden hat, die Angst vor der Verdrängung bei einem Hausverkauf an einen spekulativen Investor uns zwar einte, in der Vorstellung, wie wir unser Fortleben in dem Haus aber sicher stellen können, unsere Meinungen und auch Vorlieben, wie das vonstattengehen könnte, gingen dabei weit auseinander. Und so haben wir zusammen den Schritt der Übernahme des Hauses in Selbstverwaltung auch erstreiten müssen. Es gab Wohneigentumsbefürworter:innen und Mietshäusersyndikatsskeptiker:innen, und so sind nicht alle Bewohnerinnen und Bewohner gleich einverstanden mit der hierarchiearmen Selbstverwaltung. Doch wohnen bleiben sie und behandelt und respektiert werden sie als ganz »normale« Mieter und Mieter:innen. Bis auf einzelne Querschießereien finden wir dieses Beibehalten eines Normalzustands aber eigentlich ganz erstrebenswert.

Tabus brechen ...
... gehört zu den Herausforderungen einer selbst verwalteten Mietergemeinschaft. Viele im verborgenen, unausgesprochenen Bereich gelagerten Probleme werden und müssen auf einmal öffentlich und mit allen im Haus gemeinsam besprochen werden: Wer zahlt wieviel Miete und wer kann wieviel Miete zahlen, welche Schwächen und welche Nerven besitzen alle Beteiligten, welche Krankheit, welche ersten Anzeichen von Bournout geben wir Preis, welche sozialen Sorgen oder Arbeitsbelastungen, welche Ängste tragen wir sonst noch mit unsrum, wo sind Grenzen des gemeinsamen Zusammenlebens? Über das Geld reden fällt uns nach wie vor schwer und auch über soziale Unstimmigkeiten reden wir schüchtern. Dennoch entwickelten wir eine große Aufmerksamkeit und Vorsicht voreinander, die im gegenseitigen Zuhören lernte, eine Geduld zu entwicklen, die es möglich macht, auch schwierige Diskussionen ruhig und herzlich zusammen zu führen.

Widerstand, Wissen weitergeben, Wohneigentum weiterbekämpfen ...
... Wohneigentum manifestiert ein soziales Verhältnis, das zugleich sein Gegenteil produziert: Besitzlosigkeit und Wohnungsmangel. Zur Zeit kämpfen viele Mietergemeinschaften, viele Mietshäuser dafür, nicht in Wohneigentum umgewandelt zu werden. Das Modell der Selbstverwaltung stellt kein Ideal für diesen mietenpolitischen Kampf dar, eröffnet aber die Perspektive, dass Besitz von Wohnraum abgeschafft werden muss und durch ein Aneignungsverhältnis ersetzt werden muss, das durch den Gebrauch der dort wohnenden Menschen bestimmt ist.

Chaotischer Mut ...
... führte überhaupt erst zu dem Entschluss, das Mietshaus zu übernehmen und gleichzeitig als ein solches zu bewahren. Über den Zeitraum vom Februar bis zum Oktober 2016 haben wir über 9 Monate mit uns und dem alten Eigentümer, dem drohenden Investor und der Politik und zu guter letzt den Banken gerungen, das Haus in Selbstverwaltung übernehmen und bezahlen zu können. Wir haben zu allererst ein Kennenlern–Treffen untereinander im Haus gemacht. Das war der Start: Kaum jemand wusste von dem Anderen im Haus. Es wurde mal Post angenommen, wenn es hoch kam, es wurden Blumen gegossen. Aber ob der zusammengewürfelte Haufen aus Ost-Rentnern, West-Studies, Hartz-IV-Empfänger:innen, Alkis, Künstlerinnen und Musikern, Elektrikern und Türstehern, Akademikerinnen und Schreinerinnen sich so koordinieren und gegenseitig vertrauen und verstehen würde, dass eine Hausübernahme gelingt, war nicht ganz ausgemacht. Ein Verein wurde gegründet, Genossenschaften und Wohnbaugesellschaften kontaktiert, das Mietshäuser Syndikat kennen und als Modell lieben gelernt, eine Stiftung konnte ins Boot geholt, der Investor ausgestochen und am Ende auch noch eine Bank als Partner gefunden werden, so dass die Finanzierung und der rechtliche Rahmen der Hausübernahme auf die Beine gestellt werden konnte. Mit chaotisch-mutigem Stolz konnte die kleine verrückte Idee, die schon beim allersten Kennenlernen aller Mieter:innen aufkam, verwirklicht werden. Das war sehr aufregend, energiezehrend und verrückt.

Finanzierungsmodelle ...
... eine große Herausforderung bei der Enteignung eines Hauses am Immobilienmarkt spielt das Geld. Der Preis beim Kauf war in unserm Falle quasi die Entschädigung, und die stand in einem Verhältnis des 22-fachen der Jahresnettokaltmiete (JNKM).
Kein Urteil über die Angemessenheit dessen. So lange nicht andere gesellschaftliche Kriterien als die kapitalistischer Verwertungslogik erkämpft worden sind, waren wir gezwungen, nach Finanzierungsmodellen Ausschau zu halten und die Angst zu verlieren vor Millionenbeträgen. Wir wissen nicht wie, aber auch das haben wir hingekriegt — es ist sehr abstrakt.
Intimität & Illegalität ...
... der individuelle Rückzugsraum wird in einem selbstverwalteten Haus plötzlich auch zum sozialen Ort. Das bedeutet auch eine Einbuße von Anonymität und Intimität, um deren Erhalt wir untereinander immer wieder gegenseitig um Verständnis werben müssen. Menschen haben sich aufgeraucht im Übergangsprozess in die Selbstverwaltung, brauchen Energie und Zeit, sich von Lohnarbeit oder sozialem Stress oder vom Arbeitsamt zu erholen. Oder Leute haben einfach keinen Bock auf noch mehr soziale Action im Haus, als sie so schon bewältigen oder aushalten müssen. »Urlaub von der Selbstverwaltung« muss also ebenso selbstverwaltet ermöglicht werden, wenn die selbst gewählte solidarische Nähe sozialen Druck erzeugt. Der Erhalt von Intimität bedingt auch die Frage nach der Möglichkeit von Illegalität, nicht alle Belange im Haus sollen durch den sozialen Zusammenhang geschützt oder auseinandergesetzt werden müssen. Dies stellt kein Plädoyer für Gesetzlosigkeit dar, es äußert nur die soziale Erfahrung, dass es bei der Nähe der Interaktionen in einem selbst verwalteten Haus notwendig bleibt, sich auch in Ruhe lassen zu können.

Langmut ...
... ist ein altmodisches Wort zur Beschreibung unserer gewonnenen Einsicht in unsere Unzulänglichkeit und Unzuverlässigkeit in der Selbstverwaltung des Hauses. Langmut hilft uns allen, zu ertragen, dass wir Fehler machen und faul sind. Aber auch Langmut mussten wir uns gegenseitig erst beibringen im Aufbau der Selbstverwaltung.

Richtige Augenhöhe ...
... braucht es im Organisieren und in der Übernahme eines Mietshauses: Unter allen Bewohner und Bewohnerinnen, im Gespräch mit der Politik, mit der Verwaltung, mit den Banken und mit allen solidarischen Menschen und Nachbarn und Nachbarinnen. Dass normale Mietergemeinschaften Ernst genommen werden in ihrer Arbeit der Enteignung und ihren politischen Ansprüchen und Vorhaben, muss aber immer aufs Neue erstritten werden. Das mag in der historischen Figur des Mieters oder der Mieterin als Bittsteller liegen, aber sie sind die einzige politische Kraft im Kampf gegen den Ausverkauf der Städte, auf die Verlass ist.

Öffentlichkeit schaffen ...
... gegen den permanenten Druck, den das Kapital auf den Mietenmarkt in Großstädten wie Berlin ausübt, ist auch ein Projekt wofür wir als Seume14 einstehen, seit es uns gibt. Die meiste Verdrängung und Räumung von Mieter und Mieterinnen findet immer noch im Verborgenen und Stillen statt und es muss ein mietenpolitischer Kampf auf die Straßen, in alle Hausgemeinschaften und in die Öffentlichkeit getragen werden. Die solidarische Enteignung ist ein entscheidendes Mittel, gemeinwohlorientiertes Wohnen zu ermöglichen: »Die Häuser denen, die darin wohnen« steht auf einem Transpi, das wir auf Demos mitnehmen, und damit ist kein Wohneigentum gemeint, das wir bekämpfen.

Unverkäuflichkeit ...
... ist das Ziel der komplizierten Konstellation, in der sowohl der Hausverein aller Mieter und Mieterinnen, der Seume14 e.V., und das Mietshäuser Syndikat Gesellschafter werden eines selbstverwalteten Hauses. Über Generationen von Bewohner und Bewohnerinnen hinweg wird es ermöglicht, dass Menschen ein- und ausziehen können in dem Mietshaus, und verhindert, dass das Gebäude oder nennen wir es Immobilie zum Spekulationsobjekt wird. Keine Mietergemeinschaft kann wieder verkaufen, denn es braucht beide Stimmen der Gesellschafter und der Verbund aller Mietshäuser Syndikatsprojekte sagt beständig: NEIN. Damit wird die kapitalistische Verwertungslogik nicht abgeschafft, es muss über dieses Modell hinausgedacht werden, aber solange es noch nicht soweit ist, befürworten wir die Schwebe der Unverkäuflichkeit der Häuser als beste der möglichen Lösungen.

Xenialität...
...steht für echte Gastfreundschaft – und genau die kehrt nach der Enteignung in unsere Wohnrealität zurück. Wenn Wohnraum nicht mehr Renditeobjekt ist, kann ein Klima entstehen, in dem Menschen willkommen sind, statt verdrängt zu werden. Xenialität heißt: Nachbarschaften, die bleiben dürfen. Häuser, in denen Rücksicht und Fairness wichtiger sind als Profit. Ein Wohnsystem, das sich an den Bedürfnissen orientiert, nicht an Aktienkursen. So wird die Stadt wieder ein Ort, an dem man sich Zuhause fühlen kann, ohne Angst vor der nächsten Mieterhöhung.

Yin & Yang...
...steht für die Balance, die eine selbstverwaltete Wohnungslandschaft braucht – und endlich wieder herstellen kann. Wie in der Buchhaltung gilt auch hier: Ohne Ausgleich stimmt das Gesamtbild nicht. Jahrzehntelang überwog der Druck der Konzerne, während die Bedürfnisse der Mieter:innen kaum ins Gewicht fielen. Nach der Enteignung verschieben sich die Kräfte: Die Selbstverwaltung sorgt dafür, dass Entscheidungen nachvollziehbar, fair und gemeinschaftlich getroffen werden. Einnahmen und Ausgaben, Wohnen und Wirtschaftlichkeit, Rechte und Verantwortung – alles kommt wieder ins Gleichgewicht.

Zeitdruck ...
... ist das Fallbeil vieler Mieter:gemeinschaften, die momentan versuchen, der Kapitallogik am Immobilienmarkt etwas entgegenzusetzen. Solange das Vorkaufsrecht in Milieuschutzgebieten, wie sie zur Zeit in vielen Großstädten wie München, Berlin, Hamburg oder Leipzig existieren, 8 Wochen beträgt, ist es fast unmöglich, die Mietshäuser zu enteignen und ins Modell des Mietshäuser Syndikat zu überführen. Wenn die Zeit nicht reicht, hilft nur noch besetzen. Immer und immer wieder. Auf dass alle Häuser den Menschen gehören, die in ihnen wohnen.
Herausgeber:innen:
Seume14 e.V.
Seumestraße 14
10245 Berlin
www.seume14.org
www.syndikat.org
Berlin,
Mai 2021
Seume14 e.V.
Seumestraße 14
10245 Berlin
info@seume14.org
Vorstand:
Florian Mehlem,
Birgit Ziener

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