Home_Straßenfest
Logo des Seume14 e.V.

Selbstverwaltung

statt Investor!

Wie wir unser Mietshaus kollektiviert haben

 

1. Seume-Fest für mehr Austausch im Kiez und bezahlbare Miete

Vom Kiez für den Kiez. Die Seumestraße 14 feiert auf der Seumestraße und alle sind eingeladen. Denn auch wenn es für Mieterinnen und Mieter in Berlin immer schwieriger wird, lassen wir uns die Freude an unserem Kiez nicht nehmen. Neben Kinderschminken und Kunst, Kaffeebrühen und Kuchen, könnt Ihr Euch von Mietrechtsanwälten kostenlos beraten lassen oder Euren eignen Trödelstand aufbauen. Am Abend stellt sich der Baustadtrat von Friedrichshain/Kreuzberg, Florian Schmidt, in einer Podiumsdiskussion zur Mietensituation in unserer Gegend um den Boxhagener Platz unseren kritischen Fragen. Wir freuen uns auf Euer Kommen und laden ein zum 1. mietenpolitischen Straßenfest, Eure Seume14

 

Programm

von 13 Uhr bis 18 Uhr

Fahrrad-Reparatur-Workshop „Zum Goldenen Lenker“

Ein Schlauchwechsel oder Kette spannen geht leicht selbst von der Hand, wenn Du weißt, wie es geht. Die Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen des Fahrradladens „Zum Goldenen Lenker“ helfen bei kleinen nötigen Reparaturen an Deinem Fahrrad. (zumgoldenenlenker.de)

 

Infostand PadoWatch

Der Hausbestand und das Firmengeflecht um den Investor Padovicz ist in den letzten Jahren immens im Kiez gestiegen. Seine Vermieterpolitik ist berüchtigt und nicht gerade mieterfreundlich. Der Infostand will Mieter und Mieterinnen informieren und bei Rechtsschutzfragen unterstützen. (padowatch.noblogs.org)

 

Kinderschminken, Stelzenlaufen

Der Kinder und Jugendcircus Cabuwazi aus Treptow bringt Euch das Stelzenlaufen bei und zaubert Farbe in Eure Gesichter. (cabuwazi.de)

 

Freunde der Sperrtechnik e.V.

In die Kunst und Techniken der Schlossöffnungen führen die Sportsfreunde der Sperrtechnik ein. Jedes Schloss hat seine Tücken und kaum eines ist nicht öffenbar. Der Verein stellt sich und seine Arbeit vor. (https://wiki.ssdev.org/wiki/Berlin)

 

Kutschfahrt mit der LPG

Wir feiern das 1. Seume-Fest gemeinsam mit der LPG. Von dort aus gibt es die Abfahrten der Kutschfahrt durch den Kiez für große und kleine Kinder. (lpg-box.de)

 

Kiezflohmarkt

Wenn wir die Straße übernehmen, soll es auch für alle Anwohner*innen die Möglichkeit geben, sich zu zeigen. Nehmt ein Tischchen mit raus oder eine Decke. Alle Friedrichshainer*innen sind eingeladen zum Kiezflohmarkt. Anmeldungen für einen Stand schickt ihr bitte an info@seume14.org

 

Kuchen und Kaffee

Wir Mitbewohner*innen der Seume14, so hat sich rausgestellt, können uns nicht nur gut organisieren, sondern backen auch formidabel. An unserm Haus-Stand könnt Ihr das probieren und Rezepte tauschen.

 

14 Uhr

Stadtspaziergang um den Block I – Wie organisieren wir uns als Mieter und Mieterinnen und Gewerbetreibende?

Gemeinsam mit PadoWatch und der Berliner Mietergemeinschaft Friedrichshain besuchen wir Hausprojekte, Genossenschaften und Mietshäuser rund um den Boxi.

 

14 Uhr / 15 Uhr / 16 Uhr

Heimbrühmethoden - stündliche Vorführung in der Blauen Bohne

Es gibt viele verschiedene Prozeduren des Kaffeebrühens. Unsere Kaffeerösterei Blaue Bohne stellt sie Euch vor. Immer zur vollen Stunde im Laden-Café in der Seume14. Bringt gern Eure eigene Lieblingstasse mit. (https://blauebohne.com)

14 Uhr - Brühen mit Handfilter

15 Uhr - Brühen mit Druckkanne (French Press)

16 Uhr - Brühen mit Presstempelkanne (Aero Press)

 

14 – 16 Uhr

Kostenlose Mietrechtsberatung durch zwei Mietrechtsanwälte

Welche Sanierungen muss ich dulden? Was passiert bei Modernisierung im Haus? Wie reagiere ich, wenn auf Eigenbedarf geklagt wird? Was erwartet mich bei einem anstehenden Hausverkauf? Wie hilft oder was bringt der Milieuschutz? Welche Rechte habe ich als Mieter oder Mieterin? Für zwei Stunden sitzen zwei Mietrechtsanwälte am Stand und beantworten Eure Fragen zum Mietrecht. Bringt am besten alle Eure Unterlagen mit, so dass sie Euch möglichst detailliert helfen und bei Euren Problemen rund um Eure Mietwohnung unterstützen können.

 

16 Uhr

Hausführung durch das Mietshäusersyndikatsprojekt Seume14

Wir erzählen Euch auf einem Rundgang durchs Haus, wie wir uns als Mieterschaft organisiert haben und uns nun selbst verwalten. Wir würden uns freuen, wenn wir Euch Mut machen und weitere Mieterorganisationen anstiften können.

 

17 Uhr

Stadtspaziergang um den Block II – Zur Geschichte des Freudenberg-Areals

Das größte Neubau-Areal im südlichen Friedrichshain befindet sich in unmittelbarer Nähe von Lidl entlang der Boxhagener Straße auf dem ehemaligen Freudenberg-Areal. Wir umrunden gemeinsam mit dem Stadtsoziologen Ulrich Best das Gelände und berichten über die Kämpfe um sozialen Wohnraum auf dem Areal und welche Auswirkungen der Zuzug einer verhältnismäßig reichen neuen Wohneigentümerschaft für die Nachbarschaften im Milieuschutzgebiet mit sich bringen wird.

 

18 Uhr

Podiumsveranstaltung: Was passiert mit uns alten Mietern und Mieterinnen um den Boxi?

Gespräch mit Mieter und Mieterinnen aus dem Kiez, der Berliner Mietergemeinschaft, PadoWatch, Seume14 und Florian Schmidt (Baustadtrat Friedrichshain-Kreuzberg)

Zum Abschluss unseres mietenpolitischen Seume-Festes wollen wir uns austauschen über Möglichkeiten des Schutzes für Mieterinnen und Mieter und die Formen des solidarischen Zusammenlebens rund um den Boxi.

 

19 Uhr

Martinho de la Sol - Hybrid live set

Wer wir sind

 

Wir leben in der Seumestraße 14 in Berlin-Friedrichshain. Wir sind Handwerker, AkademikerInnen, Reinigungskräfte, Verwaltungsfachangestellte, Künstlerinnen, Altenpfleger, VerkäuferInnen, Hartz4-EmpfängerInnen, selbstständig oder festangestellt. Wir sind bereits in Rente oder besuchen erst die KiTa. In 30 Wohnungen leben wir als Familien, Singles oder in Wohngemeinschaften. Einige von uns wohnen erst seit kurzem hier, andere seit Jahrzehnten oder seit ihrer Geburt vor über 70 Jahren. In unseren Pässen stehen unterschiedliche Herkunftsländer. Lange hatten wir nur wenig Kontakt untereinander – zu unterschiedlich waren unsere Lebenswelten. Doch dann erfuhren wir, dass unser Haus an einen Investor verkauft werden sollte. Die Sorge, dass wir alle unser Zuhause verlieren könnten, hat zu großer Solidarität untereinander geführt.

Denn in unserer Gegend werden Wohnungen immer seltener als Orte angesehen, die Menschen ein Zuhause geben, sondern als gewinnbringende Wertanlagen, in denen MieterInnen, die im ständigen Preiskampf um Wohnraum nicht mithalten können, nur stören. Die Verdrängung einkommensschwacher Schichten aus dem Kiez ist die Folge.

Mit viel Engagement und Kraft gelang es uns, das Haus dem Investor vor der Nase wegzuschnappen und selbst zu erwerben. Dadurch wurde es nachhaltig dem Spekulationsmarkt entzogen und in die Selbstverwaltung der MieterInnen überführt.

Aus dem Nebeneinander der Menschen im Haus ist ein Miteinander geworden.

Die Seumestraße 14 wird nun für immer ein Mietshaus bleiben, an dem sich niemand mehr persönlich bereichern kann. Mieten dienen nur noch zur Tilgung der Kredite und der Instandhaltung. Dadurch ist es uns gelungen, über Generationen hinweg günstigen Wohnraum mitten in Berlin zu sichern. Und wenn eine Wohnung frei wird, wird bei der Wahl der Nachmietenden nicht auf Status oder eine bestimmte Einkommenshöhe geachtet, es steht der soziale Aspekt im Vordergrund.

Wie funktioniert das?

Das Finanzierungsmodell

 

Um das Haus dem Spekulationsmarkt zu entziehen, mussten wir es kaufen. Bei einem Kaufpreis von 2,6 Millionen Euro und mehreren hunderttausend Euro Nebenkosten gar nicht so einfach. Schließlich verfügt niemand von uns über viel Geld. Das größte Problem für Projekte wie unseres ist es, das nötige Eigenkapital aufzubringen, mit dem man erst die Chance hat, von einer Bank einen Immobilien-Kredit zu bekommen, dessen

Höhe den Hauskauf überhaupt erst ermöglicht. Deshalb waren und sind wir auf Menschen angewiesen, die uns ihr Geld leihen. Meistens sind das kleine Kredite ab 500 Euro aufwärts, die über eine bestimmte Laufzeit zwischen 0% und bis zu 1,5% verzinst sind und durch die Mieteinnahmen gedeckt werden.

Und siehe da: InvestorInnen haben zwar Hunderttausende von Euros auf dem Konto, die sie gewinnbringend anlegen wollen, aber ein Mietshaus mit vielen BewohnerInnen hat dafür Hunderte gute FreundInnen, die es unterstützen können. So gelingt es auch Mietgemeinschaften ohne hohes Einkommen, Investmentgroups die Stirn zu bieten.

 

Entprivatisiert und unverkäuflich

 

Niemand von uns hat das Haus privat erworben. Stattdessen haben wir eine GmbH gegründet, die durch einen Hausverein, in dem die BewohnerInnen Mitglied sind, kontrolliert wird. Dadurch entscheiden die MieterInnen alle hausrelevanten Schritte auf regelmäßigen Versammlungen selber.

Das Logo der Seume14 GmbH und das des Hausvereins Seume14 e.V.:

Logo des Seume14 e.V.

Wir haben zwei Mechanismen eingebaut, die verhindern, dass unser Haus zum Spekulationsobjekt werden kann:

 

Zum einen arbeiten wir mit der gemeinnützigen Stiftung Edith Maryon zusammen, in deren Besitz der Boden jetzt unverkäufl ich liegt.

 

Zum anderen sind wir Teil des bundesweiten Mietshäusersyndikats, das es sich zur Aufgabe gemacht hat, Wohnraum dem Spekulationsmarkt zu entziehen und bereits über 120 Häuser entprivatisierte.

 

Das Mietshäusersyndikat ist neben unserem Hausverein der zweite Gesellschafter der GmbH. Bei fast allen Fragen ist unser Hausverein, also die BewohnerInnen, alleiniger Entscheider. Wenn es aber um den Verkauf der Seumestraße 14 oder die Umwandlung in Eigentumswohnungen ginge, müsste das Mietshäusersyndikat zustimmen. Dessen Statuten schließen aber eine Zustimmung dazu aus.

 

Diese doppelte Absicherung bedeutet, dass es auch in zwei, drei Generationen, selbst wenn keine der InitiatorInnen unseres Projektes mehr im Haus wohnt, unmöglich sein wird, die Immobilie oder den Boden zurück in Privatbesitz zu führen oder gar damit zu spekulieren. Das ist uns in Anbetracht der Preisentwicklung für Immobilien in Ballungszentren wie zum Beispiel Berlin besonders wichtig.

Logo des Seume14 e.V.

Seume14 e.V.

 

Seumestraße 14

10245 Berlin

 

info@seume14.org

 

Vorstand: Florian Mehlem, Birgit Ziener

 

Seume14 GmbH

 

Seumestr. 14

10245 Berlin

 

Geschäftsführung: Simon Fronemann, Frederike Vidal

 

HRB 181768 B